Mit „Mmh“ und „Pü“ beginnt der Unterricht

   
         
   

VON MONIKA DEGNER

   
         
   

   
   

Ein Erfolgsprojekt: Bläserklasse mit Rektorin Annedore Bauer-Lachenmaier, Michael Jatzlau, Dr. Heinz-Theo Niephaus und Jugendmusikschulleiter Runar Emilsson.
 Foto: privat

   
         
    Auf dem Tisch in der Mitte des Raums liegen große schwarze Koffer, daneben blitzende Instrumente. „Das sind zwei Tenorhörner“, erklärt Sebastian, der selbst das eine der Instrumente spielt. Der andere Tenorhornbläser ist Markus. Stolz erklärt er, dass ausgerechnet er, der Kleinste, so ein großes Instrument spielt. Der dritte Blechbläser der Runde ist Marko. Er spielt die Trompete, die wohl zierlicher ist als die Hörner, für die man aber schon einen ziemlich langen Arm braucht.    
         
    Die drei Jungs sind Schüler der Plaisirschule und gehören dem Bläser-Atelier für Schüler der Klassen 3 und 4 an, das in Kooperation mit der Jugendmusikschule eingerichtet wurde. Das Ganze begann 2007, zur Zeit läuft der zweite Durchgang. Parallel zu den Blechbläsern wird auch eine Holzbläsergruppe, die um einiges größer ist, unterrichtet.    
    Nach ein paar Stunden getrennten Unterrichts werden die beiden Gruppen dann als Blasorchester weitergeführt. Lehrer der Jugendmusikschule wie Michael Jatzlau bringen die notwendigen Erfahrungen und Fertigkeiten mit in die Grundschule am Berliner Ring in Backnang. Und das Besondere: Die Eltern müssen keine Instrumente kaufen, denn die Jugendmusikschule stellt diese gegen Leihgebühr zur Verfügung. Unlängst noch trug der Förderverein der Jugendmusikschule wieder einmal zu einer Erweiterung des Instrumentefundus bei, indem er 3000 Euro für die Anschaffung von Blasinstrumenten spendete. „Die Stadt sollte für das Notwendige, wir für das Wünschenswerte sorgen,“ erklärt Dr. Heinz-Theo Niephaus, Vorsitzender des Fördervereins und „Impresario“, wie er sich scherzhaft nennt.    
    Der rührige Verein sammelt unter anderem Mittel, indem er die Ensembles der Jugendmusikschule an Veranstalter von öffentlichen oder privaten Feiern vermittelt. Zum Beispiel spielte das große Blockflötenensemble noch vor Kurzem bei einer Veranstaltung des Rotary Clubs. Die beachtlichste Summe, die der Förderverein jemals zusammentrug, belief sich auf satte 25000 Mark und trug im Jahr 2000 maßgeblich zur Anschaffung eines Steinway-Flügels bei. Insgesamt ein erstaunlich verantwortungsvolles Engagement, bedenkt man, dass die Kinder eines Teils der Vereinsmitglieder mittlerweile längst nicht mehr zur Musikschule gehen.    
    Den drei Schülern scheint der Unterricht Spaß zu machen. Michael Jatzlau ist auch ein geduldiger und heiterer Lehrer. „Holt eure Mundstücke aus den Koffern!“, sagt er. Die drei kennen das Beginn-Ritual schon, und im Nu stehen sie da, bereit zu ein paar Vorübungen. Sie sollen den Mund zum „Mmh“ formen und ein „Pü“ blasen. Die Luft immer durch die Nase holen, erinnert Jatzlau. Und dann soll ein Ton so lange wie möglich gehalten werden. Häufig weist Jatzlau auf den Bauch hin, der die Atmung unterstützt. Schließlich sitzen die Jungs wieder auf den Stühlen. Die beiden mit den Tenorhörnern sollen ihre Instrumente auf dem Schoß aufstützen. Und wieder geht’s um die Blastechnik: „Stell’ dir vor, du hättest eine heiße Kartoffel im Mund und müsstest sie mit Luft kühlen.“ Die Vergleiche mit Vertrautem machen Lernen und Lehren leichter, aber perfekt klingt das alles noch nicht.    
    Wie sollte es auch nach so kurzer Zeit. Trotzdem hat man das Gefühl, dass diese Kinder viel schneller lernen werden, als die meisten Erwachsenen es könnten. Dafür spricht auch die Erfahrung mit dem ersten Bläser-Atelier-Jahrgang an dieser Schule. Schon im Advent habe das Bläser-Atelier von 2007 einen kleinen Beitrag geboten, berichtet Schulleiterin Dr. Annedore Bauer-Lachenmaier. Sie ist mit der Einrichtung des Bläser-Ateliers sichtlich zufrieden: „Es ist Teil der schulischen Buntheit“, sagt sie. Und das Wichtigste: „Es macht den Schülern und Schülerinnen unheimlich Spaß.“    
    Auch Michael Jatzlau ist mit Blick auf die Gesamtentwicklung erleichtert. Jatzlau, der verschiedene Orchester in der Umgebung leitet, erlebte noch im Jahr 2003, dass den Vereinen der Bläsernachwuchs ausging. Ein Signal für ihn, „Schule, Musikschule und Vereine an einen Tisch zu bringen“. Die Kooperation Schule/Jugendmusikschule begann in der Talschule mit einem Projekt noch im Jahr 2003. Im Jahr 2005 wurde in Unterweissach eine Bläserklasse eingerichtet und seit diesem Herbst gibt es ebenfalls eine Kooperation mit dem Bildungszentrum Weissach im Tal. Bleibt zu hoffen, dass die sinnvolle Zusammenarbeit weiterhin Schule machen wird. Die Musikstunden kosten übrigens 35 Euro im Monat. Bezahlt werden müssen außerdem die Noten.